Was ist bei der Aufnahme einer Psychotherapie zu beachten?

Allgemeine Informationen

  • In der Regel erfolgt der erste Kontakt zu einem Psychotherapeuten über die Psychotherapeutische Sprechstunden, in der die Erstdiagnose gestellt und abgeklärt wird, ob eine Psychotherapie, eine Akutbehandlung oder eine andere Empfehlung angezeigt ist.
  • Die umfassende und längerfristige Behandlung einer psychischen Erkrankung erfolgt mittels einer Psychotherapie. Diese beginnt mit mind. zwei probatorischen Sitzungen, in denen abgeklärt wird, ob die beabsichtigte Psychotherapie bei der psychischen Störung erfolgversprechend und die Beziehung zwischen Patient und Therapeut tragfähig ist.
  • Der Psychotherapeut und Sie entscheiden in dieser probatorischen Phase gemeinsam, ob die Psychotherapie regulär aufgenommen werden soll.
  • Die therapeutischen Sitzungen dauern in der Regel 50 Minuten, können aber bei bestimmten therapeutischen Interventionen geteilt (2 mal 25 Minuten) oder verlängert (bis 6 mal 50 Minuten) werden.
  • Vom Patienten beigebrachte oder von ihm ausgefüllte Unterlagen gehen in der Regel auf Grund der gesetzlichen Dokumentationspflicht in das Eigentum des Psychotherapeuten über und werden von diesem über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren aufbewahrt.

Beantragung von Psychotherapie und vorherige somatische Abklärung

  • Ambulante Psychotherapie in der Krankenbehandlung ist antrags- und genehmigungspflichtig. Die Formalitäten werden nach Indikationsstellung (probatorische Sitzung) besprochen.
  • Zur Beantragung der Therapie wird dann vom Hausarzt (oder einem anderen Arzt Ihres Vertrauens) mit einem dafür vorgeschriebenen Formular ein Konsiliarbericht eingeholt.

Therapiegenehmigung

  • Die gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine ambulante Psychotherapie ab dem Datum der schriftlichen Genehmigung im genehmigten Umfang. Der Patient erhält eine diesbezügliche Mitteilung direkt durch den Kostenträger.
  • Die psychotherapeutische Behandlung des Patienten wird daher erst dann beginnen können, wenn die Kostenübernahmezusage dem Patienten schriftlich vorliegt.

Schweigepflicht des Psychologen/Verschwiegenheit des Patienten

  • Der Psychotherapeut ist gegenüber Dritten schweigepflichtig und wird über den Patienten nur mit dessen ausdrücklichem, schriftlichem Einverständnis Auskunft gegenüber Dritten erteilen bzw. einholen.
  • Der Patient verpflichtet sich seinerseits zur Verschwiegenheit über andere Patienten, von denen er zufällig – z.B. über Wartezimmerkontakt – Kenntnis erhält.
  • Es besteht die Möglichkeit, mit der Praxis Informationen und Daten elektronisch per E-Mail auszutauschen. Dieser Austausch erfolgt i.d.R. unverschlüsselt und ist damit nicht sicher und kann eventuell durch Dritte eingesehen und manipuliert werden. Es ist möglich, dass dadurch persönliche Sachverhalte unbefugten Dritten bekannt werden. Die Praxis wird die elektronischen Kommunikationswege im Wesentlichen für Terminabsprachen nutzen. Sensible persönliche Daten werden nicht per E-Mail o.a. versendet. Die Rückmeldungen der Praxis gelten als zugegangen, wenn sie im E-Mail-Postfach der/des Patient/in zum Download bereit stehen oder als zugegangen gekennzeichnet sind.
  • Alle erteilten Schweigepflichtentbindungen und Einwilligungen können jederzeit widerrufen werden.

Feste Terminvereinbarung/Terminversäumnis/Bereitstellungshonorar

  • Die psychotherapeutischen Sitzungen finden zu einem zwischen Patient und Psychotherapeut jeweils fest und verbindlich vereinbarten Termin statt. Der Patient verpflichtet sich, die fest vereinbarten Behandlungstermine pünktlich wahrzunehmen und im Verhinderungsfalle 48 Stunden vor dem vereinbarten Termin abzusagen bzw. absagen zu lassen. Dazu genügt eine schriftliche Mitteilung (Brief, Fax, E-mail) oder eine telefonische Absage (auch Anrufbeantworter).
  • Da in psychotherapeutischen Praxen aufgrund der Zeitgebundenheit der psychotherapeutischen Sitzungen nach einem strikten Bestellsystem gearbeitet wird und zu jedem Termin nur ein Patient einbestellt ist, kann dem Patienten bei nicht rechtzeitiger Absage ein Bereitstellungshonorar in Höhe des entgangenen Honorars berechnet werden, welches ausschließlich vom Patienten selbst zu tragen ist und nicht von dem Versicherungsträger erstattet wird.

Psychotherapiekostenregelung bei gesetzlich Krankenversicherten

  • Gesetzlich krankenversicherte Patienten sind verpflichtet, ihre Chipkarte (Krankenversichertenkarte) jeweils zur ersten Sitzung im Verlaufe eines Quartals zur Registrierung auszuhändigen. Ein Krankenkassenwechsel ist unverzüglich mitzuteilen.
  • Bei regulärer Therapiebeendigung, aber auch bei Therapieabbruch ist der Psychotherapeut verpflichtet dieses – ohne weitere inhaltliche Angaben – der gesetzlichen Krankenversicherung mitzuteilen.
  • Eine Therapieunterbrechung von mehr als einem halben Jahr ist bei einer Psychotherapie, die durch die gesetzliche Krankenversicherung finanziert wird, nur mit besonderer Begründung möglich. Wird diese nicht gegeben oder anerkannt, so erlischt der Anspruch auf Psychotherapiekostenübernahme gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel für den Zeitraum von zwei Jahren.
  • Die Wartezeit nach der letzten Sitzung einer vorangegangenen Psychotherapie beträgt in der Regel 2 Jahre bis zum möglichen Beginn einer erneuten psychotherapeutischen Behandlung. Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil der psychotherapeutische Prozess auch nach Abschluss einer Therapie noch längere Zeit nachwirkt und verarbeitet werden muss.

 Honorar/Kostenübernahme für privat Versicherte

  • Bitte erkundigen Sie sich bei ihrer Krankenversicherung, ob und wie Psychotherapie als Leistung bei dem von ihnen abgeschlossenen Tarif mitversichert ist. Es erfolgt eine erste Rechnungslegung nach der ersten Sitzung, so dass sie gleich diese Rechnung bei ihrer Krankenversicherung einreichen können, und eine Rückmeldung bekommen werden. Für den Fall, dass die Kosten ganz oder anteilig nicht von dem Versicherungsträger erstattet werden, schuldet der Patient das Honorar in vollem Umfange gegenüber dem Psychotherapeuten.
  • Das Honorar richtet sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
  • Für Selbstzahler gilt zurzeit ein Honorarsatz von 110 € pro Sitzung.

Selbstverpflichtungserwartung an den Patienten

  • Veränderungen, die Sie bei sich erreichen wollen, sind manchmal mit schmerzhaften seelischen Prozessen verbunden. Es ist wichtig für Sie zu wissen, dass auch so etwas auf Sie zukommen kann. Für Ihre und unsere Arbeit ist die Bereitschaft wichtig, solche schmerzhaften Perioden durchzustehen, damit Sie ihre Therapie erfolgreich gestalten und beenden können. Bitte besprechen Sie dies auch mit ihren Angehörigen.
  • Bitte prüfen Sie für sich noch vor Therapiebeginn, ob es Ihnen möglich sein wird, in den kommenden Monaten auch die notwendigen regelmäßigen wöchentlichen Termine verlässlich einzuhalten. Bitte besprechen Sie Ihre Urlaubspläne rechtzeitig mit ihrem Therapeuten.
  • Der Erfolg einer verhaltenstherapeutischen Behandlung hängt auch wesentlich von ihrer Bereitschaft zur Mitarbeit und ihren zeitlichen Möglichkeiten ab. Für therapeutische Übungen und das Ausfüllen von Fragebögen und Selbstbeobachtungslisten usw. benötigen Sie während ihres gesamten Therapieprozesses täglich ca. ½ -1 h zusätzliche Zeit. Bitte prüfen Sie vor Therapiebeginn, ob Ihnen dies in Ihrer momentanen Lebensphase auch möglich ist.
  • Der Patient verpflichte sich, um den Erfolg der Therapie nicht zu gefährden, mindestens während des Zeitraums von Beginn bis zum Abschluss der ambulanten Psychotherapie keine Drogen zu sich zu nehmen. Der Patient ist mit geeigneten, diesbezüglichen Kontrollen einverstanden.
  • Der Patient verpflichtet sich, mindestens während des Zeitraums von Beginn bis zum Abschluss der ambulanten Psychotherapie keinen Suizidversuch zu unternehmen, sondern sich ggf. unverzüglich in stationäre Behandlung zu begeben, um kurzfristig und für die Dauer der akuten Gefährdung Schutz und Hilfe zu erhalten.
  • Der Patient wird jede Aufnahme oder Veränderung einer medikamentösen Behandlung/ Medikamenteinnahme – durch einen Arzt verordnet oder selbst entschieden – unverzüglich dem Psychotherapeuten mitteilen.

Kündigung

  • Die Therapie kann gem. § 627 BGB vom Patienten jederzeit durch eine mündliche oder schriftliche Erklärung fristlos gekündigt werden, da ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Psychotherapeut eine grundlegende Voraussetzung für Psychotherapie ist.
  • Der Psychotherapeut behält sich vor, bei offensichtlich fehlender Motivation und bei fehlender Mitarbeit des Patienten, die Therapie von sich aus auch ohne das erklärte Einverständnis des Patienten zu beenden und dem Kostenträger hiervon, ohne inhaltliche Angabe, Mitteilung zu machen.

    Allgemeine Aufklärung

  • Der Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung ist wissenschaftlich sehr gut belegt. Dennoch ist möglich, dass kurz- oder längerfristig eine Verschlechterung Ihres Zustandes eintritt. Auch kann einmal der gewünschte Erfolg überhaupt ausbleiben. Bei Zweifeln an der Behandlung werden Sie gebeten, Ihren Psychotherapeuten zu informieren, damit er Wege für eine erfolgversprechendere Behandlung finden kann.